Der erste Teil unseres Erasmus+-Schüleraustauschs zwischen der First Junior High School Chaidari und dem Reichswald-Gymnasium Ramstein-Miesenbach liegt nun hinter uns. Fünfeinhalb ereignisreiche Tage in Athen haben Spuren hinterlassen – voller neuer Eindrücke, bewegender Begegnungen und wertvoller Erfahrungen, die uns noch lange begleiten werden.
Schon die Anreise hatte es in sich: Die verspätete Ankunft in Athen sorgte zunächst für Unruhe unter den noch sehr jungen deutschen Schülerinnen und Schülern. Doch diese verflog schnell, als sie in Chaidari herzlich und mit großer Offenheit von ihren griechischen Gastfamilien empfangen wurden. Von Anfang an war spürbar, dass hier vieles anders war als zu Hause – sei es der lebhafte Straßenverkehr mit seinen vielen kleinen Autos oder der pulsierende Rhythmus des Alltags.
Nach einem ersten Kennenlernen der Schule standen gemeinsame Aktivitäten auf dem Programm, die halfen, erste Berührungsängste abzubauen. Am späten Nachmittag ging es schließlich in die Wohnungen der Gastfamilien. Viel Zeit zum Ausruhen blieb nicht, denn schon bald traf man sich in einem der zahlreichen Straßencafés oder Restaurants, um beim ersten gemeinsamen landestypischen Essen – natürlich Souvlaki – den Tag ausklingen zu lassen. Diese Abende entwickelten sich schnell zu einem festen Bestandteil des Austauschs: Es wurde gegessen, gelacht, getanzt und das griechische Lebensgefühl in vollen Zügen genossen. Für manche war es zunächst ungewohnt, erst spät zu Abend zu essen, doch die Gastfamilien zeigten großes Entgegenkommen und passten die Essenszeiten oft an. Trotzdem wurden die Nächte kurz – nicht selten hörte man am nächsten Morgen den eher ungewöhnlichen Wunsch eines Teenagers, einmal früher schlafen zu gehen, während andere noch bis tief in die Nacht mit ihren neuen Freunden chatteten.
Die große Herzlichkeit der Gastfamilien beeindruckte viele Schülerinnen und Schüler nachhaltig. Es gab stets reichlich Essen, enge Wohnungen und eine offene Art, die zunächst ungewohnt, aber schnell sehr geschätzt wurde. Bereits am nächsten Tag arbeiteten die Jugendlichen in gemischten deutsch-griechischen Gruppen zusammen. Sie lernten die Schule näher kennen und beschäftigten sich im Rahmen ihres Projekts mit dem Thema UNESCO-Welterbe, insbesondere mit der Akropolis von Athen.
Gut vorbereitet durch einen Besuch im Akropolismuseum ging es am folgenden Tag hinauf auf den berühmten Hügel. Ausgestattet mit neuem Wissen führten die Schülerinnen und Schüler Interviews und tauchten tief in die Geschichte dieses einzigartigen Ortes ein. Ein gemeinsames Mittagessen in der Altstadt rundete diesen eindrucksvollen Tag ab.
Der Mittwoch stand erneut im Zeichen der Projektarbeit. Die gesammelten Materialien wurden in einem Padlet zusammengetragen, bevor die Exkursion zum Kloster Daphni – einem weiteren UNESCO-Welterbe in unmittelbarer Nähe der Schule – vorbereitet wurde. Der Besuch dieses beeindruckenden Klosterkomplexes hinterließ bei vielen einen bleibenden Eindruck. Auch hier konnten die Jugendlichen ihr Wissen in Interviews anwenden. Ein anschließender Empfang beim Bürgermeister von Chaidari bot Raum für einen Austausch über die deutsch-griechische Geschichte, insbesondere im Kontext des Zweiten Weltkriegs.
Am Abend mündete der Tag in einen griechischen Abend voller Musik, Tanz und Lebensfreude. Spätestens hier wurden viele der neu entstandenen Freundschaften sichtbar vertieft, und die Schülerinnen und Schüler hatten die Gelegenheit, die griechische Kultur hautnah zu erleben.
Am letzten Tag wurde noch einmal konzentriert gearbeitet. Die finalen Videos entstanden, das Padlet wurde vervollständigt. Nach einem traditionellen Mittagessen, liebevoll von den Eltern vorbereitet, präsentierten die Jugendlichen voller Stolz ihre Ergebnisse vor der Schulgemeinschaft der Junior High und High School Chaidari. Das Projekt endete mit dem gemeinsamen Appell, die bestehenden UNESCO-Welterbestätten für kommende Generationen zu bewahren.
Rückblickend lässt sich sagen, dass dieser erste Teil des Austauschs in jeder Hinsicht gelungen war. Die Schülerinnen und Schüler erweiterten nicht nur ihr Wissen über UNESCO-Welterbestätten und die Bedeutung ihres Erhalts, sondern entwickelten auch ein tieferes Verständnis für andere Kulturen und Sprachen. Sie wuchsen über sich hinaus, überwanden sprachliche und kulturelle Hürden und sammelten Erfahrungen, die sie ein Leben lang begleiten werden. Freundschaften sind entstanden, die hoffentlich im zweiten Teil des Projekts weiter vertieft werden.
Der Abschied fiel entsprechend emotional aus. Mit vielen Umarmungen und Küssen auf die Wangen – inzwischen längst nicht mehr befremdlich – verabschiedeten sich die Gruppen voneinander, verbunden mit der freudigen Aussicht auf ein baldiges Wiedersehen in Deutschland. So sollte ein gelungenes Projekt sein: geprägt von Verständnis, Toleranz und Offenheit. Nur so kann Verständigung über Grenzen hinweg gelingen und Europa in all seinen Facetten erlebbar werden.
Zum Schluss bleibt ein großes und herzliches Dankeschön an das Erasmus+-Konsortium der ADD für die wertvolle Unterstützung unserer Gruppenmobilität nach Athen im Januar 2026.
Text: Jochen Meier und Dorothee Bauer


