Am Dienstagmorgen durften die Schülerinnen und Schüler des Grundkurses Katholische Religion der 11. Klasse am Reichswald-Gymnasium Ramstein-Miesenbach hohen Besuch erwarten: Generalvikar Markus Magin kam persönlich, um auf die Gedanken und Fragen der Jugendlichen zur geplanten Strukturreform des Bistums Speyer einzugehen.
Doch was verbirgt sich hinter dieser Reform? Auch die Schüler waren zu Beginn unsicher. Mitschüler Julian Rothhaar hatte jedoch schon früh erkannt, dass das Thema „Strukturreform“ an Schulen nicht behandelt wird, obwohl es die jungen Menschen direkt betrifft. „Gerade Schulen sollten über diese aktuelle Situation informieren, schließlich sind auch wir die zukünftigen Betroffenen der Entscheidungen“, erklärte Rothhaar.
In Absprache mit seiner Religionslehrerin Christina Mayer entwickelte er ein umfangreiches Unterrichtsprojekt, das die Reform und ihre Auswirkungen thematisierte. Über mehrere Unterrichtsstunden hinweg führte Rothhaar seine Mitschüler in das komplexe Thema ein. Eine Karikatur, die das neue Konzept veranschaulichte, sowie ein Text zur „Strukturreform“ boten den Einstieg. Rothhaar erläuterte mithilfe einer selbst verfassten Glosse die Vor- und Nachteile des geplanten Reformvorhabens und gab den Jugendlichen die Gelegenheit, eigene Rückmeldungen an das Bistum zu formulieren.
Am Ende fasste er die gesammelten Gedanken und Bedenken seines Kurses zusammen und schickte sie in Form eines Briefes an Generalvikar Magin. Der Brief kann auf der Homepage des Bistums unter dem Suchwort „Ein Segen sollt ihr sein“ eingesehen werden. Das Konzept sieht vor, die bisher 70 Pfarreien zu neun großen Pfarreien zusammenzufassen. Ziel ist eine Zentralisierung der Verwaltung und eine Neugestaltung kirchlicher Strukturen, die angesichts von Priestermangel und finanziellen Herausforderungen als notwendig gelten.
In seiner Begrüßung betonte Magin seine große Freude und Dankbarkeit über die Rückmeldungen und bezeichnete sie als „Einzigartigkeit im Schulbereich“. Es gehöre zu den eher seltenen Veranstaltungen, auch einmal mit Schülerinnen und Schülern ins Gespräch zu kommen, was ihm daher ein besonderes Anliegen sei.
Dabei erläuterte er den Jugendlichen seinen eigenen Weg zum Priestersein, der vom „Herausfinden, welchen Weg Gott mit einem gehen möchte“, geprägt gewesen sei. Auch er habe schwierige Entscheidungen treffen müssen – ähnlich wie das Bistum im Hinblick auf die Strukturreform.
Auf die Frage nach einer stärkeren Einbindung Jugendlicher in die katholische Kirche verwies er besonders auf Aktivitäten in den Gemeinden, in der Jugendarbeit, bei Messdienergemeinschaften und bei Wallfahrten – etwa nach Rom, die viele Messdiener mit Begeisterung erlebten. Gemeinschaft könne jedoch auch durch Kirchenchöre, kirchliche Sportvereine oder Caritasverbände entstehen, erläuterte der Generalvikar.
Das bisherige Gemeindebild werde sich prägend verändern. Deshalb mahnte Magin die Schülerinnen und Schüler: „Christusgemeinde wird in Zukunft dort sein, wo ihr euch alle versammelt.“ Um für diese zukünftigen Gemeinden ein gutes Konzept zu entwickeln, sei es wichtig, die bislang rund 3.500 eingegangenen Rückmeldungen auszuwerten und die Stimme der Menschen zu hören. Pfarreien müssten eine neue Definition erhalten, da „die Lebenszellen der Kirche kleine Gemeinschaften" darstellen.
Die Mutterkirche solle dabei keinesfalls verloren gehen, denn „wenn wir nur noch Strukturen haben, ist die Kirche tot“, verdeutlichte Magin. Das Konzept „Ein Segen sollt ihr sein“ stelle bislang lediglich einen Rahmen dar, dessen Bild noch gemalt werden müsse. Im Frühjahr solle deshalb die inhaltliche Ebene des Konzeptes konkreter gestaltet und ausgearbeitet werden.
Text: Julian Rothhaar (MSS 11)


